Mario Herger

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Geht uns das Sexleben unserer Politiker was an?

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Sowohl in der jüngsten Ausgabe des Monatsmagazins "profil" unter dem Titel "Jörg Haiders anders Leben", als auch im Standard unter "Fragwürdiges 'Doppelleben'?" wird das Privat- und Sexleben vom gerade verstorbenen Politiker Jörg Haider diskutiert. Nicht nur in diesen Medien ist die Quintessenz, dass alle darum herumeiern und nicht wirklich wissen wie sie damit umzugehen haben.

Genauer betrachtet, zeigten und zeigen die österreichischen Medien ein falsches Verständnis von Schutz des Privatlebens. Ich erkläre warum.

Politiker - und nur von denen spreche ich - leben von dem Vertrauen, das die Bürger ihnen entgegenbringen, um das Land nach bestmöglichen Kräften zu regieren, zu führen, zu leiten. Alles unter der Annahme, dass sie für seine Bürger und das Land das Beste wollen und zu erreichen versuchen.

Zeigt ein Politiker in seinem Privatleben Verhaltensweisen, die dieses Vertrauen nicht verdienen, dann muss der Wähler die Möglichkeit haben, genau das zu erfahren. Auch um abschätzen zu können, was mit dem Mandat der Wählerstimme passiert.

Ein Politiker, der seinen Partner mit Affären hintergeht, gibt auch vor, das Beste für seinen Partner zu wollen, tut aber trotzdem etwas, das mit vollem Wissen das Gegenteil bewirkt. Wenn ein Politiker das macht, dann will ich als Wähler davon wissen. Welche Information sonst garantiert mir, den Charakter dieses Politikers besser zu verstehen?

Offensichtlich hat Jörg Haider nicht nur seine Frau Claudia betrogen, sondern neben seinem Liebhaber auch noch weitere Affären gehabt. Beziehungen, Gefühle und Vertrauen bedeuteten scheinbar wenig für Haider. Dieses Verhalten hat sich auch in seinem politischen Verhalten gezeigt. Mitarbeiter, die fallen gelassen wurden, Parteikollegen, die er öffentlich desavouierte, Koalitionspartner und politische Gegner, denen er nur geringe Vertragstreue entgegenbrachte.

Dieses Privatleben Haiders haben die österreichischen Medien nicht in der Offenheit berichtet, die es verdient hätte. Zwar konnten aus etlichen Verklausierungen wie "Buberlpartie" und "engster Vertrauter" Rückschlüsse getroffen werden, viele Wähler waren aber doch überrascht, als Haiders Verhalten erst im vergangenen Jahr mit den Fotos einer "99-Cent-Party" breiter bekannt wurden.

Das ist aber nicht das einzige Beispiel und der einzige Grund für eine offene Diskussions des Privatlebens eines Politikers. Wenn derselbe Politiker oder seine Partei politisch genau das Gegenteil predigt, dann stimmt etwas nicht. Wenn Politiker der FPÖ - noch mit Haider als FPÖ-Parteichef - politische Gegner als "Schwulenparteien" und dergleichen titulieren, dann muss auf diesen Widerspruch hingewiesen werden. Immerhin war Haider Parteichef und ist somit für politische Aussagen seiner Partei verantwortlich.
Wenn aus Andreas Kohls Büro spätabends scheinbar minderjährige Prostituierte bestellt werden, und gerade Kohl selber und sein Umfeld sich gerne als Familienmenschen und gute Christen öffentlich darstellen, dann muss dieser Widerspruch von den Medien thematisiert werden.
Und wenn dem seligen Leopold Maderthaner Gerüchte nacheilten, in seinem Arbeitsumfeld Frauen sexuell belästigt zu haben, dann war das kein Kavaliers-, sondern ein echtes Delikt und gehörte bloss gestellt.

Das führt mich gleich weiter zu einem weiteren gerne verschwiegenen Verhalten aus dem Politikerleben, nämlich dem Drogenkonsum. Wenn Politiker wie Helmut Zilk und Michael Häupl Alkohol scheinbar im Übermass zugeneigt sind, dann will ich als Wähler das wissen. Diese Leute regieren uns. Es ist schon in guten Zeiten schlimm genug, Alkoholiker an der Spitze zu haben, aber ich fürchte mich vor Krisenzeiten, wenn ich von einem klar denkenden und nicht von Alkohol beeinträchtigten Politiker regiert werden will. Ich will auch nicht von einem betrunkenen Chirurgen operiert werden, oder in eine Bus steigen, den ein unter Drogeneinfluss stehender Fahrer lenkt.
Wie gefährlich das ist, zeigen uns die Gerüchte, dass Helmut Zilk vor den Briefbomben gewarnt gewesen war, aber im illuminierten Zustand den verhängnisvollen Brief doch geöffnet und dabei sein Hand verloren hat.

Das soll nicht in eine Hexenjagd britischen Ausmasses ausarten, aber ein gewisses Mass an Information muss von den Medien gebracht werden. Der Wähler hat aus guten Gründen ein Recht von diesen Dingen aus dem Privatleben eines Politikers zu erfahren. Nur so lässt sich eine informiertere Meinung bilden, als das offizielle Bild es zulassen würde. Und dieses Recht wird durch die österreichischen Medien verhindert. Sie tun einfach ihre Pflicht nicht.
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Last Updated on Monday, 27 October 2008 05:20  

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