Es ging nobel zu: man warf sich in feine Schale und steckte seinen Luxuskörper in edelstes Tuch, schlürfte Martini (gerüttelt, nicht geschürt) und durfte auch sein -wichtig- *erwachsenes*, "signifikantes Anderes" (weil hier in SF kann das ja alles sein - Hund, Katz, Stiefzwilling,...) mitbringen. Mit dieser Art von sozialen Kontrolle ("Die Beine dieser Blondine interessieren Dich jetzt aber überhaupt nicht" und "Wieviele *sogenannte* Kolleginnen kennst Du eigentlich noch beim Vornamen?") war Benehmen angesagt.
Die einzigen Blicke, die ich werfen und Namen, die ich mir merken durfte, waren die der Speisen an den in den Stockwerken verstreuten Buffets. Das war gleich gut, wie es in good old Germany gewesen zu sein scheint. Wenig Auswahl, fad, politisch korrekt. Aber es hätte sich im Smoking oder - wie es bei mir der Fall war - schicken Trachtenanzug ohnehin nicht geziemt, wie eine Sau am Futtertrog zu naschen. Als Fleischfresser allerdings geriet die Suche zu einer nach meiner Lieblingskuh in einer Herde, weil es vor allem vegetarisches Körndlfutter, und das noch dazu auf asiatische M9-Art zubereitet, gab. Die paar Kuhscheiben wurden von den jeweiligen Aufschneidern mit äusserster Genauigkeit (sprich Langsamkeit) portioniert, was zu teils dramatischen Szenen führte (Z.B. stach ein darbender Kollege in seiner Verzweiflung mit der Gabel auf die Vorderfrau ein, um ihr ein Stück Rippchen zu entreissen, ein anderer wiederum lutschte während des Wartens die Reste von den bereits gebrauchten und retournierten Tellern). Es war also ein Jammer.
Wären nicht die ausgezeichneten Schokoladenfontainen, die Waldbeerenkuchen und die Apfelschnitten auf der Parkettebene gewesen, ich würde noch heute entkräftet am Boden kleben. So konnte ich doch die Energie aufbringen, dort dreimal vorbeizuschauen, aufzuladen und reinzuhauen.
Die Musik war, und der Applaus endenwollend. Angekündigt in der Email als "Show with Entertainers from the Moulin Rouge" - was (und ich erwähne das hier völlig ohne Zusammenhang) zeitgleich mit der Email zur Trainingsverpflichtung zur "Prevention of Sexual Harrassment" für Manager kam, - entpuppte sich diese Show - und ich kenne das Moulin Rouge in Paris und fand dieses schon peinlich schlecht - irgendwie als Studentengehopse, aber nachdem von diesen fünf Bierfässer auf nüchternem Magen verzwickt worden sind. Das aufregendste war dabei der Photograph (macht übrigens sehr gute Bilder), der die kurzberockten Bühnenmädels bevorzugt aus - wie soll ich das nur politisch korrekt sagen - "interessanten Perspektiven" ablichtete. Bin schon gespannt auf die Bilder (wer den Link zum Photoalbum haben will, melde sich emailisch bei mir).
Abwechslung bot das Zockerparadies im vierten Stock. Dort luden Blackjack-, Roulette- und Pokertische zum Verweilen ein. Geld konnte man vorsorglich nicht setzen, dafür hat jeder 500 Währungseinheiten am Eingang zugesteckt bekommen. Am Eingang hat man uns übrigens auch die Schiesseisen und sonstige Gegenstände, die neue Körperöffnungen erzeugen können, abgenommen. Ein paar finstere dreinblickende US Marines in ihren Uniformen überwachten das (also, um zwei Dinge klar zu stellen: 1. die Marines gibt's wirklich - habe sogar einen berührt, kann's also bestätigen, und 2. nein, die Uniformen sind nicht schmuck oder sooooo süss sexy, wie das verblendete, signifikante Andere bezeichnet haben).
Gewonnen habe ich dank meines sicheren Instinktes auch, nämlich als ich das erste und einzige Mal am Roulettetisch 100 Einheiten auf 13 gesetzt habe. 13 kam, 3600 Währungseinheiten wuchsen zu mir rüber. Meine signifikantes Andere hat dann, nach glotzäugigem Gestaune trotz dieser Unglückszahl, wieder alles nach ihrem todsicheren System verzockt, was mir nun nüchtern betrachtet doch zu denken gibt: "Hat sie das richtige Patschhanderl für die Haushaltsfinanzen?" Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch, dass man pro 100 Einheiten ein Lotterieticket für die Ziehung von Geschenkgutscheine bekommen konnte. Dort hatten andere Bauern die grösseren Kartoffeln, nämlich die mit dem reziprok angesetzten IQ - wie ich neidlos anerkennen muss.
Alles in allem: nächstes Jahr gehe ich wieder hin - aber meine Kuh bringe ich mir selber mit!
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