Der Finanzplan für Rappelkopf zeigt einen Kapitalbedarf von €40.000 bis €60.000. Woher kriegt man das? Die riskanteste Variante ist ein … Banküberfall! Kommt klarerweise nicht in Betracht, bei der Finanzkrise ist es nämlich schwer eine Bank zu finden, die soviel Geld noch hat. Und eine Bank zu gründen und durch Investmentgesellschaften zu finanzieren, wurde auch einem Julius Meinl V. schmerzlich bewusst, dass das keine nachhaltige Strategie war.Es gibt ein paar realistischere Methoden. Zuerst mal wird der Gründer (ich) €10.000 bis €15.000 betragen, ganz davon abhängig, wie gut mein Verhandlungsgeschick meiner besseren Hälfte gegenüber ist, die uns schon zerlumpt bettelnd auf der Strasse sieht.
Gut wäre es dabei, 50% des Kapitalbedarfes als Eigenkapital aufzutreiben, sprich in Form von Einlagen durch die drei Fs ("Friends, Family and Fools") oder eines oder mehrerer Partner oder Investoren. Insgesamt also nochmals einen Betrag in der Höhe von €10.000 bis €15.000. Das ergäbe ein Stammkapital zwischen €20.000 und €30.000.
Für den restlichen Betrag gäbe es aus meiner Sicht vier Varianten:
- weitere Investoren, Partner und FFF
- die vom User Otto Normalinvestor im letzten Blog vorgeschlagene Ausgabe von Genussscheinen
- Sponsor / Mäzen
- Jungunternehmerkredit
Ich habe mir die Möglichkeiten näher angesehen und folgende Pros und Cons gefunden:
Variante 1. Mit weiteren Investoren, Partnern und FFF im Boot hat man zwar das Kapital aufgebracht, aber vermutlich auch eine Menge an Teilhabern, deren Vorstellung zur Unternehmensführung zu befriedigen sind. Positiv wäre, dass diese Teilhaber neben eigenem Wissen auch ihr Netzwerk an Kontakten einbringen können. Damit wäre nicht nur der Zugriff auf Branchenknowledge und Trends gegeben, sondern auch Werbemöglichkeiten durch das Netzwerk.
Aufzupassen ist mit der richtigen Auswahl an Teilhabern (es muss ja auch die Chemie stimmen) und der Gesellschaftsform. Immerhin soll vermieden werden, dass die (stillen) Teilhaber bis auf das eingezahlte Kapital nicht auch noch persönlich haften. Eine GesmbH wäre vermutlich die beste Form hier.
Variante 2. Otto Normalinvestor hat mich auf Genussscheine aufmerksam gemacht. Der Vorteil ist, dass man relativ selbstgestaltend Anteile ausgegeben werden können. Genussscheine sind gesetzlich nicht geregelte Wertpapiere ohne Stimmrecht. Es gäbe wie bei Variante 1. keine persönliche Haftung für die Inhaber dieser Genussscheine. Und die Beträge, mit denen man sich beteiligt könnten für Satirefans in einen erschwinglichen Bereich kommen. Stückelungen von beispielsweise €100, €500 oder €1.000 Wären möglich. Nun fehlt mir aber ein bisserl Information, wie das genau funktioniert. Wie stehen mögliche Investoren dazu? Was ist steuerlich zu berücksichtigen? Wie funktioniert die genaue Abwicklung der Ausgabe und Rückzahlung? Und welche Unternehmensform ist in meinem Fall die beste dafür?
Deshalb meine Frage an die Rappelköpfe: Würden Sie Genussscheine an einem Satiremagazin erwerben wollen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, warum schon und wie viel?
Variante 3. Gibt’s so jemand noch? Ein Sponsor oder Mäzen, der aus Interesse an einer Satirezeitschrift ein solches Unternehmen mit Startkapital versorgen würde?
Ich jedenfalls kenne niemanden, und sehe das als unwahrscheinlichste Variante. Wenn aber hier wider erwarten solch ein Sponsor/Mäzen mitlesen sollte, bitte melden!
Variante 4. Jungunternehmerkredit über AWS. Der Austria Wirtschaftsservice ist Österreichs Förderbank für unternehmensbezogene Wirtschaftsförderung. Was die im Prinzip machen (so wie ich das verstehe) ist Unternehmen (in diesem Fall Jungunternehmer, also nicht Leute die jung sind, sondern Unternehmer die zum ersten Mal ein Unternehmen starten) mit staatlich bebürgten Krediten zu helfen. Meine Bank mag zwar von meinem Businessplan angetan sein, aber solange ich keine Sicherheiten aufbringen kann, geben die mir kein Geld. Und da springt der AWS ein. Die bürgen für den Kredit, wenn die Bank denen sagt, dass mein Businessplan solide ist und sie einen Kredit vergeben würden, wenn Sicherheiten da wären.
Nach genauerer Betrachtung ist das meiner Meinung nach die vielversprechendste Variante. Nach meiner Berechnung reicht ein weiterer Partner oder Investor, damit zwischen einem Drittel und der Hälfte des Stammkapitals da ist und der Rest wird durch solch einen Kredit aufgebracht. Da Rappelkopf vermutlich nicht mehr als weitere €30.000 Kredit braucht, käme vielleicht sogar ein ERP-Kleinkredit in Frage.
Weitere Varianten: Die auch gewälzte Idee einer AG ist für den momentanen Stand der Dinge und den geplanten Umfang des Verlags vermutlich Overkill. Alleine die Kosten für AG-Gründung liegen bei €5.000-8.00, ganz zu schweigen von den zu installierenden Strukturen wie Aufsichtsrat usw. Der be24.at-Benutzer Hughichhabegesprochen hat weiters noch vorgeschlagen, dass man einen bestehenden Verlag à la News ansprechen könnte, der diesen Kapitalbedarf doch aus der Portokasse aufbringen können müsste. Das hieße aber auch Kontrolle völlig abzugeben. Und ein etablierter Verlag rechnet vermutlich ganz anders und sähe vermutlich eine Satirezeitschrift überhaupt nicht als profitabel an (zumindest denke ich mir das).
Und ich will ja eigentlich nur eine Satirezeitschrift gründen (und gestalten) und muss mich nun mit all dem beschäftigen. Auch wenn es sehr interessant ist, zuviel Zeit darf es nicht kosten, denn es gilt eigentlich eine Zeitschrift zu gestalten und unterhaltsam für den Leser zu machen.
Nächste Schritte sind jedenfalls Finanz- und Businessplan fertigfeilen und für Vorstellung bei der Hausbank aufbereiten, mit 1-2 potentiellen Investoren klar werden, Unternehmen gründen und eintragen, aufs Geld warten und dann loslegen. Anfang Juni werde ich in Wien diese Schritte anstossen und hoffen, dass dann der eigentlich kreative Teil auch losgeht. Zeitschriftenlayout machen, Themenplan erstellen, das Team aufstellen, die Autoren und Zeichner kontaktieren und und und. Aber dazu mehr in den nächsten Blogs...










